FCO - Interview

In 3 Ansichten sowie aus 3 Blickwinkeln und das ganze mit 3 Vereinslegenden

In den letzten Wochen seitdem die Saison unterbrochen wurde, ist einiges an Zeit vergangenen. Denn die Saison ist bereits nach dem 10.Spieltag
unterbrochen worden, durch den Lockdown der Bundesregierung. Das letzte Spiel in Zorbau (am 31.10.2020) ging 2:2 aus, in der Tabelle steht der
FC Oberlausitz Neugersdorf mit zwanzig Punkten aus zehn Spielen auf Platz vier in der NOFV-Oberliga Süd. Nur einen Platz hinter Rot-Weiß Erfurt
und punktgleich mit dem Tabellenführer aus Eilenburg, die allerdings noch ein Spiel weniger haben. Dies war bisher eine nicht vorhersehbare, schnelle
und tolle Entwicklung unter Trainer Stefan Fröhlich und seinem Trainerteam. Da die Mannschaft, um Mannschaftskapitän Karl „Kalle“ Petrick (30),
Max Fröhlich (30) und Sebastian „Huggel“ Berg (30), ein sehr Junges Team ist. Mit vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs, wo auch einst Max
und „Huggel“ draus hervorgingen. Karl Petrick kam vor knapp 9 Jahren aus Bautzen und war auch schon in der Regionalliga der Kapitän des FCO
(weiteres zu „Kalle“ und zu vielen anderen im Verein gibt es in unserer neuen Rubrik: „FCO | 5 Fragen an ... “ auf Facebook und Instagram). Drei Ansichten, drei Blickwinkel auf die Mannschaft und den Verein, von drei Aktiven Vereinslegenden, in drei verschiedenen Positionen im Verein. Darüber haben wir gesprochen mit Trainer Stefan Fröhlich, dem ehemaligen Spieler sowie Vorstand sportliche Leitung Falko Thomas und mit dem Mannschaftskapitän Karl „Kalle“ Petrick.
1. Wir schreiben jetzt Mitte Februar, die erste Männermannschaft belegt aktuell den vierten Platz in der Oberliga NOFV Süd, nach 10 absolvierten Spielen. Bei solch einem Teilerfolg fällt es euch sicherlich nicht leicht, jetzt den Ball ruhen lassen zu müssen. Wie zufrieden seit ihr mit der aktuellen Leistung eurer Mannschaft?
 
Stefan Fröhlich:
- Ich bin sehr zufrieden, mit der bisherigen Saison! Keiner hat gewusst und geahnt, dass es so gut läuft mit der jungen Mannschaft. Es ist halt ärgerlich, das der Ball gerade ruht, denn wer so leidenschaftlich beim Fußball dabei ist, der möchte „jeden Tag“ auf dem Platz stehen und am Wochenende spielen. Was nicht unbedingt nur mit der aktuellen Tabellensituation zu tun hat.

Falko Thomas:
- Ja, aus sportlicher Sicht ist es schade, dass wir das zweite Mal in eine solche Unterbrechung geschickt wurden.
Es wäre mehr als interessant gewesen, zu beobachten, wie wir uns im weiteren Saisonverlauf schlagen. Aber mit der bisherigen Leistung und dem momentanen Tabellenstand können wir durchaus zufrieden sein. Ich glaube sogar, es hätten uns nach dem Schnitt im Sommer viele so nicht zugetraut. "Augenzwinkern"

Karl Petrick:
- Von „aktuell“ kann man nicht sprechen. Wir haben uns mehr als ein Vierteljahr nicht gesehen. Rückblickend auf die 10 Spiele habe ich, aber ein gutes Gefühl.
 
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2. Was ist eigentlich der Unterschied zur letzten Saison und mit was seit ihr besonders zufrieden?
 
Stefan Fröhlich:
- Der Unterschied ist, das die Mannschaft vom Alter her, ein ganzes bisschen jünger ist. Außerdem haben wir viel mehr deutsche Spieler im Kader und dadurch gibt es einen anderen Zusammenhalt, sodass man schnell gemeinsam gewachsen ist. Was einerseits durch eine einfachere Kommunikation bedingt ist und sowohl auch durch eine andere Mentalität, die im Team herrschst. Was auch ganz normal ist, da die Sprache, als auch die Mentalität in jedem Land etwas anders ist. Die Situation nach den zehn Spielen ist super!

Falko Thomas:
- In dieser Saison gibt es nicht mehrere "Möchtegern-Leader", sondern es gibt eine klare Hierarchie vom Trainer, unserem Kapitän „Kalle“ und den Führungsspielern ausgehend. Das Team ist im Vergleich zur Vorsaison deutlich verjüngt und besitzt möglicherweise die richtige Mischung aus Erfahrung und „jungen Wilden“ mit Qualität und Leidenschaft.

Karl Petrick:
- Bis auf Patrik Klouda spielt kein tschechischer Spieler mehr bei uns, man kann auch von einem „Umbruch“ sprechen. Fakt ist damit auch, das sich niemand mehr hinter Jemanden verstecken kann. Jeder wird gebraucht. Und das funktioniert bisher gut.
 
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3. Was waren denn die bisherigen Höhepunkte in der Saison, die derzeit pausieren muss?
 
Stefan Fröhlich:
- Der negative Höhepunkt ist sicherlich das wir im Pokal leider ausgeschieden sind (beim Dresdner SC nach Elfmeterschießen) und der positive Höhepunkt ist die aktuell sehr gute Platzierung von uns in der Meisterschaft.

Falko Thomas:
- Der 4:2-Heimsieg gegen Merseburg und das 2:1 gegen Grimma sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Hier hat das Team sehenswerten, leidenschaftlichen und auf Erfolg ausgerichteten Fußball gespielt.

Karl Petrick:
- Sicherlich der turbulente Heimsieg gegen Merseburg, nach Rückstand 0:1, haben wir das Spiel noch gedreht. Natürlich auch der Punktgewinn in Erfurt (0:0).
 
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4. Wisst ihr schon ob die Saison fortgesetzt wird und falls ja in welchem Modus? Denkt ihr das die Saison dann noch zu Ende gespielt wird?
 
Stefan Fröhlich:
- Komplett zu Ende wird die Saison sicherlich nicht gespielt werden, meine Vermutung ist, das wir die Hinrunde zu Ende spielen und danach wird gewertet. Ich denke ab April könnte es möglich sein das wir wieder spielen können, aber zuvor wird es erst einmal vier Wochen zur Vorbereitung für alle Mannschaften in der Liga geben.

Falko Thomas:
- Dass die Saison fortgesetzt wird, hoffen wir natürlich. Wann und in welchem Modus wird aktuell noch diskutiert und ist offen. Mit der Verlängerung des Lockdowns hatte sich die Hoffnung leider zerschlagen, ab Anfang März zumindest wieder zu trainieren.

Karl Petrick:
- Nein, es gibt zwar diverse Szenarien, aber mein Gefühl tendiert leider zu Abbruch. Wir müssen es letztendlich abwarten.
 
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5. In der Mannschaft spielen einige Spieler, die den Sprung vom Nachwuchs- in den Männerbereich geschafft haben. Wie beurteilt ihr die bisherigen Leistungen der Jungs?
 
Stefan Fröhlich:
- Das wichtigste ist das alle mitziehen, das ist ein wichtiger Punkt, sie können nicht gleich erwarten das sie Stammspieler sind. Das ist klar! Sie müssen da ganz einfach Geduld haben. Wie z.B. Tim „Kruti“ Krutoff und Franz „Magde“ Magdeburg, die haben vorher auch wenig gespielt, aber sie haben sich sehr gute entwickelt und sind jetzt quasi Stammspieler. Die jungen Spieler werden erst mal ein paar Kurzeinsätze bekommen, das ist ein ganz normaler Prozess, da müssen sie durch, aber sie müssen halt alle mitziehen. Das hat allerdings bis hierher gut geklappt!

Falko Thomas:
- Ja, unsere Ausrichtung, auf junge Spieler zu setzen, und ihnen das Vertrauen zu schenken, ist bis hierher aufgegangen. Robby Golzsch hat sofort Fuß gefasst und richtig gute Spiele gemacht. Benjamin Wendschuh hat auch Potential dafür. Aber auch hier: Man muss die jungen Spieler steuern und führen und sie müssen sich führen lassen. Das hat funktioniert.

Karl Petrick:
- Es ist uns gelungen, viele Jungs zu integrieren und das wiederspiegelt sich auch in deren guten Leistungen. Leider braucht es mehr Zeit um wirklich einschätzen zu können, wo jeder steht.
 
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6. Welche Spieler haben euch in dieser Saison bisher besonders überrascht?
 
Stefan Fröhlich:
- Ich bin dafür eher keine Namen zu nennen, denn das gesamte Team hat eigentlich gut mitgezogen. Am ehesten könnte man noch „Kruti“ nennen, der besonders überrascht hat.

Falko Thomas:
- Namen zu nennen, ist gefühlt immer zum Nachteil der anderen.. Positiv überrascht, bin ich vom ganzen Team! Dass "Kalle" das Team anführt, hat jeder irgendwie gewusst und erwartet. Und dennoch macht er das richtig gut. Aber dass Franz Magdeburg Stammspieler wurde, hätten vorher sicher nur wenige für möglich gehalten. Tim Krutoff hat auch starke Spiele gezeigt, und ist sogar entscheidend torgefährlich für uns gewesen. Tom Keil versteht es, mit seiner Qualität den spielerischen Unterschied auf dem Platz zu machen. Max Fröhlich hat sein Full-Time-Job, der Hausausbau und das Papa werden auch nicht daran gehindert, mit zu ziehen. Robby Golzsch hatte ich zuvor schon genannt.

Karl Petrick:
- Das sind die Spieler, die in der letzten Saison wenig Einsatzzeiten hatten, wie Tim Krutoff, Franz Magdeburg, Tobias Drassdo, aber auch Max Fröhlich.
 
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7. Hat sich in der Winterpause am Kader oder im Team etwas verändert?
 
Stefan Fröhlich:
- Nein, aktuell gibt es erst einmal keine Veränderungen.

Falko Thomas:
- Nein, nicht dass ich wüsste. Die Jungs wollen so zusammen in den Restart gehen und aus Sicht der Vereinsführung gab es keinen Grund für punktuellen Ersatz oder Verstärkungen.
 
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8. Welche Erwartungen und Ziele gibt es für das kommende Jahr?
 
Stefan Fröhlich:
- In erster Linie wünsche ich mir, wenn ich Trainer bleiben sollte, dass wir einen großen Teil der Mannschaft behalten können. Darüber hinaus kommen hoffentlich wieder ein paar gute junge Spieler dazu und etwas frisches Blut. Ansonsten wüsche ich mir, natürlich ein gutes Abschneiden in Oberliga.

Falko Thomas:
- Zunächst hoffe ich, wie viele andere sicher auch, dass es alsbald wieder los geht. Man wieder zusammen kommen und trainieren kann, Spiele stattfinden können, Zuschauer ins Stadion kommen und das gesamte Vereins-Leben wieder erwacht. Erwartung und Ziel zugleich sollten sein, dass wir möglichst schnell wieder in den Wettkampfmodus kommen und an die Erfolge der bisher absolvierten Spiele anknüpfen können.

Karl Petrick:
- Ich glaube über sportliche Ziele brauchen wir momentan nicht nachdenken. Ein geregelter Trainingsbetrieb wäre schon mal ein wünschenswertes Anliegen.
 
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9. Gibt es sonstige Veränderungen im Verein? Im Personal sowie in der Infrastruktur oder sonstigen?
 
Stefan Fröhlich:
- Da ist mir nichts bekannt, bei vielen Spielern läuft halt der Vertrag aus, da finden halt noch viele Gespräche statt.

Falko Thomas:
- Nach diesem "Dornröschenschlaf" wird es sicher Veränderungen geben. Ich hoffe, dass sich alle Männer, Jungs, Kinder, Trainer und Verantwortliche wieder auf dem Platz einfinden und dem Spaß am Kicken nachgehen. Im Moment vermag sicher kaum jemand vorweg zu nehmen, was da kommt und wie es kommt.. Und dennoch gilt es bereits jetzt, mit Vorausblick Richtung Sommer und darüber hinaus zu schauen und die nötigen Planungen anzustellen, und die damit verbundenen Fragen zu beantworten. Ligazugehörigkeit, Kaderplanungen, Jugendförderverein, Trainerbesetzung (Männer und Nachwuchs), mögliche Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Erfüllung Schiedsrichtersole, Platzkapazitäten/Trainingszeiten um nur einige Punkte zu nennen.
 
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10. Wie geht es dem Verein im Moment in dieser schwierigen Situation im Lockdown ohne Training und ohne Spiele?
 
Stefan Fröhlich:
- Vereinsmäßig ist das für mich als Trainer schwer zu beantworten, aber es wird sicherlich nicht einfach sein. Bei einigen Sponsoren ist zur Zeit sicherlich was „auf Eis gelegt“, aber nicht zahlen zu können, ist gerade in der jetzigen Zeit sicher legitim. Wenn jedoch nichts bzw. weniger an Sponsorengeldern eingeht, ist es für den Verein natürlich nicht besonders gut. Alle sind auf Kurzarbeit, das ist echt frustrierend, wenn man so leidenschaftlich dabei ist.

Falko Thomas:
- Kein Training, keine Spiele, die Plätze und Kabinen sind leer, unsere Vereinskneipe seit Wochen verwaist. Das ist natürlich alles riesengroßer Mist! Als Verein müssen wir uns der schwierigen Situation stellen und entsprechend einlenken und gegensteuern. Aktuell können wir leider nur reagieren. Einnahmen gehen nur teilweise oder sehr zögerlich ein oder fehlen uns gänzlich! Wo es nur ging, haben wir an allen möglichen Stellschrauben gedreht, um die Kosten entsprechend runter zu fahren. Allen, die dabei Zugeständnisse gemacht haben, sei hiermit noch einmal unser ausdrücklicher Dank ausgesprochen.

Karl Petrick:
- Ich kann nur für uns Spieler sprechen, die meisten von uns, sind es seit dem Kindesalter gewohnt, fast täglich mit anderen Menschen Fußball zu spielen. Ich hoffe jeder kann den Wegfall ohne weitere Probleme auf seine Weise kompensieren.
 
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11. Wie halten sich denn die Spieler aktuell Fit, haben sie auch Trainingspläne für zuhause mitbekommen?
 
Stefan Fröhlich:
- Ja, alle Spieler bekommen wöchentlich einen Trainingsplan und der wird denke ich, auch sehr gut umgesetzt. So können wir, wenn es wieder los geht, mehr Fußball spielen als laufen. Das sollte jetzt von jedem Spieler individuell umgesetzt werden, das alle ihr Fitnesslevel halten und vielleicht sogar noch etwas verbessern.

Falko Thomas:
- Die Trainer halten Kontakt zu Ihren Schützlingen und geben Trainings- Kräftigungs- und Stabi-Übungen vor und können am Ende dennoch nur an die Einstellung appellieren und hoffen, dass jeder ein Stück weit für sich selbst diszipliniert ist und sich fit hält.

Karl Petrick:
- Ja der Trainer gibt uns wöchentlich neue Einheiten.
 
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12. Gibt es schon erste Planungen für die neue Saison in Bezug auf Vertragsverlängerungen oder Neuzugängen aus der A-Jugend?
 
Stefan Fröhlich:
- Darüber habe ich aktuell keinen Einblick, die Gespräche mit den Spielern führt der Vorstand sportliche Leitung um Falko Thomas und Stefan Brüchner.

Falko Thomas:
- Es gibt aktuell viele Überlegungen und mögliche Szenarien, die diskutiert werden. Im Optimalfall bleibt die Mannschaft so zusammen bzw. wird noch um den ein oder anderen A-Jugendlichen ergänzt. Besonders anspruchsvoll und wichtig zugleich wird es dabei sein, den infrage kommenden A-Jugendlichen eine entsprechende Perspektive aufzeigen und bieten zu können.
 
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13. Wo seht ihr den FCO in 2,5 und in 5 Jahren?
 
Stefan Fröhlich:
- Ich hoffe das Neugersdorf ein Oberligist bleibt, die Regionalliga ist momentan eher nicht zu erreichen, zwecks dem Umfeld und den Sponsorengeldern, um die es durch den aktuellen Lockdown ja noch schlechter steht. Man sollte auch weiterhin vernünftig wirtschaften und dann hoffe ich, das wir in 5 Jahren immer noch mindestens in der Oberliga Fußball spielen können.

Falko Thomas:
- Gegenfrage - Wer hätte vor nur einem Jahr gedacht, was bis zum heutigen Tag mit zwei Lockdowns, Saisonabbruch bzw. ergebnisoffener Unterbrechung so abging? Es ist also schwer zu sagen, in einer so schnelllebigen und von Veränderungen geprägten Zeit wie dieser. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, wir spielen als "SG Oberlausitz" (mit Bischofswerda, Bautzen, Kamenz und Neusalz) nach zwei Aufstiegen in den nächsten 3-4 Jahren in Liga 3. Und in den jeweiligen Vereinen wird die darauf ausgerichtete Nachwuchsarbeit geleistet. -> Danke für die Aufmerksamkeit!

Karl Petrick:
- Es ist schwer in der momentanen Situation eine Aussage treffen zu können. Die Basis kann nur eine gesunde wirtschaftliche Lage des Vereins sein und diese ist stark sponsorenabhängig. Sollte es aber gelingen, dann ist es sicherlich möglich auch vermehrt mit eigenem Nachwuchs den Verein langfristig in der Oberliga zu etablieren.
 
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Ich Danke euch für die tollen Antworten, zu den 13 Fragen, die sicherlich viele Fans, Mitglieder, Sponsoren und Abonnenten unserer Sozial Media
Plattformen, sowie der Homepage interessieren! Das Interview mit Stefan, Falko und Kalle wurde von Patrick Neu geführt und assistiert von Maik Deckert

MEINE LIEBE. MEIN VEREIN. MEINE OBERLAUSITZ.